Melamin ist eine farblose Substanz, welche erstmals 1834 von Justus von Liebig hergestellt wurde. In außerwissenschaftlichen Bereichen bezeichnet man Melamin auch als Kunststoff. Die kommerzielle Herstellung von Melamin startete 1930. Von diesem Zeitpunkt an stieg die Produktionsmenge von Melamin jährlich rapide an.
Der Schmelzpunkt von Melamin liegt bei ca. 350°C. und ist nur mit heißem Wasser gut löslich.
Gewonnen wird Melamin aus Harnstoff. Das gewonnene Melamin lässt sich aufgrund einer Vielzahl von Reaktionsmöglichkeiten breit gefächert einsetzen. Die Substanz wird überwiegend zu industriellen Zwecken verwendet. So werden zum Beispiel Holzwerkstoffleime und Tränkharze aus Melaminharz, auch Aminoplast-Kunstharz genannt, hergestellt. Darüber hinaus findet Melaminharzschaum auch Verwendung bei der Fertigung von Polstermaterialien. Doch auch in Reinigungsmitteln sind kleinere Mengen des Stoffes zu finden. Das wirtschaftlich bedeutendste Reaktionsprodukt sind die so genannten Methylol-Melamine, welche durch die Reaktion mit Formaldehyd entstehen.
Gefährdungspotenziale sind bisher nur an Ratten erforscht worden. Aus diesen Versuchen ergab sich, dass eine langfristige, hohe Dosis Melamin zu Nierenversagen führen kann. Doch auch eine Einnahme einer hohen Dosis über einen kurzen Zeitraum führte zu einer vermehrten Bildung von Harnsteinen und Harntumoren.
Missbraucht wird Melamin vorwiegend als Streckungsmittel in Nahrungsmitteln. Bekannt wurden Missbrauchsfälle durch chinesische Fabrikanten bei Tiernahrung und Babynahrungsmitteln. Insbesondere Milchpulver wurde mit
Melamin angereichert, um einen höheren Proteingehalt des Pulvers vorzutäuschen.