Bei meinen Streifzügen durchs Netz bin ich heute auf den
Fotowettbewerb 2011 gestoßen, zu dem derzeit die Erdbeerlounge einlädt. Neben wirklich schönen Landschaftsaufnahmen sind dort auch Portraits ganz unterschiedlicher Menschen zu sehen. Menschen verschiedener Herkunft und unterschiedlichen Alters, dicke und dünne Menschen. Menschen eben. Einzigartig und schön. Da ist mir wieder einmal bewusst geworden, was für ein Reichtum in der Verschiedenheit des menschlichen Aussehens liegt.
Unser Bild von Schönheit wird heutzutage viel zu stark von der Werbung und den Medien beeinflusst. Der menschliche Körper wird normiert, Gesichter werden retuschiert, bis alle Unterschiede verwischen und schließlich verschwinden. Da gibt es keine Unregelmäßigkeit, die nicht abgeschliffen wird, keine Falte, die der Computer nicht glättet und kein Stückchen Körperfett, das nicht dem Bildbearbeitungsprogramm zum Opfer fällt. Das ist traurig – und mehr als das: Es ist gefährlich. Weil es suggeriert, dass es den „einen“ perfekten weiblichen oder männlichen Körper gibt. Weil es zur Folge hat, dass wir uns so sehr an das Präsentierte gewöhnen, dass uns letztlich der Sinn für das Individuelle verloren geht. Denn am Ende gefällt uns das, was wir kennen, und von dem wir annehmen, dass es uns gefallen müsse. Immer und immer wieder sehen wir diesen einen überarbeiteten und „perfektionierten“ Frauenkörper, auf den eine bekannte Modekette für ihre Plakate mittels Überarbeitungssoftware einen beliebigen Kopf montiert hat, und glauben schlussendlich nicht nur, dass es normal ist, so auszusehen, sondern sogar, dass wir hier ein Idealbild sehen, das jede Frau erreichen kann. Wenn sie denn nur will. Und wollen sollte sie, schließlich handelt es sich hier um ein Ideal. Aber will sie denn wirklich? Und wenn ja: Kann sie das überhaupt schaffen? Natürlich nicht! Weil nicht immer alles von der Willensstärke abhängt, weil es Dinge gibt, die nun einmal so sind – und unsere Körperform gehört bis zu einem gewissen Grad eindeutig dazu. Jede Frau hat ihre individuelle Form, jede Frau hat ein Gewicht, mit dem sich ihr Körper wohl fühlt. Das ist der sogenannte Set Point. Wer sich gesund und ausgewogen ernährt und sich dazu ausreichend bewegt, hält dieses Gewicht. Durch Hungern oder übermäßiges Essen kann man es selbstverständlich in die eine oder andere Richtung beeinflussen, doch beides ist ungesund. Warum sollte man sich ein Leben lang für etwas anstrengen, das von der Natur nicht so gewollt ist? Es geht hier nicht um Fälle von krankhaftem Übergewicht, sondern um den Körper der normalgewichtigen, gesunden Frau. Es wird Zeit, sich die eigenen Vorzüge bewusst zu machen und sich nicht immer nur die sogenannten „Problemzonen“ vor Augen zu führen (ein fürchterliches Wort, übrigens). Warum redet niemand von Lieblingszonen? Wenn wir uns nicht mit dem abfinden, was wir haben, werden wir letztlich immer kämpfen müssen, entsagen und uns kasteien. Anstatt uns zu freuen, an dem, was wir sind – für uns und für andere. Und das ist mehr als unser Äußeres. Viel mehr. Verwenden wir also unsere Energie für wichtigere Dinge als für Hungerkuren und den siebten wöchentlichen Gang ins Fitnessstudio. Das sollten wir uns wert sein.