Alles begann vor 5000 Jahren mit den Papyrusrollen der Ägypter, etwas moderner handhabten die Griechen das Problem des Buchbindens: Der Codex, eine einfache Faltung von mehreren Pergamentschichten, war ihre Lösung. Als im 14. Jahrhundert das Papier und wenig später der Buchdruck durch Johannes Gutenberg erfunden wurde, war das Schicksal des modernen Buches besiegelt.
Oder war das Schicksal erst mit der Erscheinung des Internets besiegelt? Ein Schicksal des Untergangs?
Lexika werden unnötig, das gesamte Weltwissen, ist auch online zu finden, Buchtexte werden seit einiger Zeit ins Netz gestellt und
E-Books scheinen den Weltmarkt erobern zu wollen. Der Kampf des nostalgischen Lesers in dieser Flut an neuen Medien ist schwer, aber er ist noch kein verlorener Kampf. Denn mit einem Umsatz von 9,7 Milliarden Euro stiegen die Zahlen im Jahre 2008 um 0,8% und das
eBook gilt noch immer mit einem Anstieg von 5,7% in den Umsatzzahlen als untergeordneter Verkaufsschlager der Zukunft. Laut einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels von 2008 kaufte in den letzten 12 Monaten 57% aller Deutschen ein
Buch. Im Angesicht dessen, dass 24% aller Vielleser mehr ausleihen als kaufen, scheinen diese Zahlen doch sehr zufriedenstellend für den klassischen Leser, der sich sogar über das Lesebändchen in der Hardcoverausgabe freuen kann.
Der rettende Sprung vom sinkenden Schiff, war der Sprung in die Online Angebote, denn Bücherfreunde und Vielleser kaufen zu 54% ihre Bücher in Online Versandbuchhandlungen, dennoch: Buch bleibt Buch.
Immer öfter kann man aber beobachten, wie sich Leseratten in die Fluten der
Online-Medien begeben und zu regelrechten Online-Wasserratten werden. Denn Buch-Communities, wie sie sich selbst nennen, sind in der letzten Zeit keine seltene Erscheinung mehr. Die wohl größte Community ist unter dem Namen „Lovelybooks“ bekannt geworden und beherbergt nicht nur mehrere tausend Mitglieder sondern auch Autoren, die ihre Bücher selbst vorstellen, mit den Lesern diskutieren und sich mitunter auch mal Rat von den Lesern holen, wie zum Beispiel in der Namensgebung ihrer Figuren. Verlage, Leser und Autoren rücken näher zusammen und gestalten sich selbst eine Plattform zum Austausch und Diskussion. Nicht nur in Leserunden, in denen 25 glückliche Erstleser ein neues Werk beurteilen, sondern auch durch online veröffentlichte Rezensionen und Bloggespräche wird der Meinungsaustausch ermöglicht, der von einigen Mitgliedern sehr ernst genommen wird und mit mehr als 1400 Rezensionen von einem Mitglied auf die Spitze getrieben wurde.
Reize werden gesetzt durch Live-Stream-Lesungen, Gewinnspielen oder offenen Fragerunden mit berühmten Autoren, aber augenfällig ist: Es dreht sich alles rund um das geliebte Buch und zwar im Konkurrenzmedium, dem Internet.
Von rechts überholt und von hinten erstochen, den eingefleischten Buchanhängern fällt doch immer etwas ein.