Wer die beiden Wörter
Nachrichten und Dresdenzusammensetzt und mal gründlich darüber nachdenkt, was sie zusammen bedeuten, der wird zu Beginn an die Stasi und Co. denken. Denn die sächsische Landeshauptstadt hatte es in den letzten 50 Jahren wirklich schwer: Wer Reportagen vom Westen sehen wollte, der musste schon eine Weile gondeln. Denn im eigenen Nest vor der eigenen Glotze kam außer dem herkömmlichen Fernsehbild kaum ein anderes Programm. Das BRD-Programm gab es nur an anderen Städten in Elbnähe. In Elbflorenz gab es anstatt News nur schwarzes Gebrösel auf dem Schirm.
Aber wieso eigentlich? Die Antwort ist einfach: Dresden liegt in einer geografisch ziemlich schweren Örtlichkeit. Der Ort liegt unten in einem tiefen Talbereich. Die Anhöhen auf allen Seiten verhinderten also ein reibungsloses Anschauen der Westprogramme. Aktuelle wichtige wirtschaftliche Nachrichten waren damit unmöglich zu empfangen. Schade aber die Wahrheit: In Dresden wusste kein Bürger, was in auf der anderen Seite der Mauer passierte.
Mit etwas Aufwand ließ sich der Makel aber umgehen: Dresdner fuhren bei außergewöhnlichen TV-Programmen gerne in benachbarte Dörfer, um den lokalen Informationsdunst zu umgehen. Hauptsächlich in anderen Städten in Sachsen gab es Übertragungen und Nachrichten vollkommen schnell. Klar war auch: Man musste das TV-Gerät nur leise stellen, der Bürger nebenan sollte doch nicht wissen, dass die Dresdner nur wenig Nachrichten sehen konnten.
Aber wie sehen die Dresdner Bürger aktuell die Welt der aktuellen Nachrichten? Ganz sicher, 22 Jahre nach dem Mauerfall sind die Romane vom Tal der Ahnungslosen und die unnormalen Ausritte in benachbarte Städte nur noch Geschichten. Dresden ist nun tief im neuen Jahrhundert verankert. Nun tümmeln sich nahezu alle sächsischen Printmedien im WWW, die die Dresdner mit Neuigkeiten aus Sport, Politik oder Kultur versorgen. Somit sind Nachrichten zum Konsumgut geworden. Zum Glück ebenfalls in Dresden.