Wer gern im Fernsehen die vielen Tier- und Naturdokus ansieht, der hat bestimmt schon einmal gesehen, wie ein bestimmter Teilaspekt des Bewusstseins oder der Intelligenz bei Tieren dadurch nachgewiesen werden kann, das man ihnen ihr Spiegelbild zeigt. Manche Tiere, denen eine eigentlich recht hohe Intelligenz zugeschrieben wird, sind nicht oder nur in ganz seltenen Fällen dazu im Stande, das Wesen im Spiegel als sich selbst zu erkennen, da es keinen spezifischen Geruch aufweist und Tiere auch instinktiv erkennen, dass es sich bei dem Spiegelbild um etwas Zweidimensionales handelt, wenn das auch dem Auge anders erscheinen mag, und zweidimensional bedeutet hier auch irrelevant, da zwar bewegt, aber weder lebendig noch gefährlich noch lecker.
Wenn Kinder in der Schule zum ersten Mal eine Fremdsprache lernen, ist das normalerweise Englisch, und meist kommen Körperteile und Gesicht relativ schnell dran, weil man diese Wörter einfach immer wieder braucht. Show me your
Face!, heißt es dann zum Beispiel oder: Show me your left eye!, und die Kinder sprechen das nach und zeigen dabei auf ihr Gesicht oder ihr linkes Auge, auf den Arm oder auf den Bauch, ganz ähnlich wie damals, als sie noch klein waren und die Mutter sie fragte, wo denn der Bauch sei oder die Nase. Die allermeisten Kinder wissen längst, was dann gemeint ist, selbst, wenn sie das entsprechende Wort noch nicht aussprechen gelernt haben, und zeigen freudig auf die richtigen Stellen, nicht nur bei sich, sondern auch bei anderen. So lernen sie nicht nur eine wichtige Grundlage der Sprache, sondern auch, dass es sich lohnt, andere anzusehen.