Es klingt so einfach: Günstig Wein einkaufen, ein paar Jahre in dunklen Kellern lagern und danach mit hoher Gewinnmarge weiterveräußern. Eine einfache Strategie, die derzeit viele Anhänger findet. Immer mehr professionelle Weinhändler kaufen lagerfähige und hochwertige Weine und lagern diese in großen und wohltemperierten Kellern ein. Auf diesen Zug springen auch immer mehr Privatanleger auf, denn die Rendite spricht für sich. Denn die neuen Käuferschichten aus Osteuropa im Asien sorgen für eine erhöhte Nachfrage nach hochpreisigen Top-Weinen. Doch nicht mit jedem
Wein kann eine hohe Rendite erzielt werden. Wichtig ist die Lagerfähigkeit zum einen und zum anderen die Herkunft und der Jahrgang. Da gerade bei den bevorzugten Bordeaux-Weinen das Angebot auf niedrigem Niveau stagniert, sorgt die hohe Nachfrage für einen erhöhten Preis. Und mit dem steigenden Preis steigt auch die Rendite, die der Weinhändler erzielt.
Natürlich kann der renditebewusste Anleger beginnen, seinen Keller zu räumen und für einige Kisten hochwertigen Rotwein Platz zu schaffen. Doch ob diese Strategie für großen Erfolg sorgt, dürfte bezweifelt werden. Wie bei allen Anlageprodukten muss der Preis erst einmal beim Verkauf erzielt werden. Und die Lieferung von wenigen Flaschen Wein sorgt bei den Käufern oftmals nicht für Vertrauen – und damit für einen guten Verkaufspreis.
Semiprofessionelle Anleger sollten lieber in Fonds investieren, die mit ihrem Kapital größere Weinhändler bei dieser Tätigkeit unterstützen. Wer mehr Geld zur Verfügung hat, kann auch darüber nachdenken, als Teilhaber in ein Weingut einzusteigen.
Jedoch ist die Strategie der Fonds sehr unterschiedlich. Neben großen Weinhändler, die massenweise den Markt aufkaufen, gibt es einige Nischenanbieter, die bewusst ihren Fokus auf viele unterschiedliche Weine streuen. Nach Einschätzung eines Marktbeobachters ist es einfacher, viele verschiedene Weine in kleinen Mengen zu verkaufen, als einen großen Lagerbestand der gleichen Sorte. Zumal im Vorhinein selten sicher eingeschätzt werden kann, welcher Wein in ein paar Jahren die größte Rendite erzielen wird.
Von dieser Problematik sind auch professionelle Fonds betroffen. So läuft aktuell ein Wein-Fonds aus, der bei der Auflegung Renditen von 50 bis 100 Prozent prognostiziert hatte. Er investierte in hochwertige Bordeaux-Weine, kaufte große Mengen. Als problematisch erwies sich das Alter des Weines. Die jung gekauften Weine sind heute bei der Auflösung des Fonds noch nicht marktreif für den Verkauf und erzielen noch nicht den prognostizierten Preis. Nach Abzug aller Kosten können die Anleger gerade mit ihrem damals investierten Kapital rechnen.