Die Berliner Galerie Listros stellte unlängst interessante Exponate zum Thema Schuhe aus. Das ist naheliegend, denn der Name der Galerie bedeutet in der äthiopischen Sprache Amharisch so viel wie Schuhputzer. Um neue Ufer zu erreichen, braucht man gutes Schuhwerk. Eine Buchautorin hat herausgefunden, dass die meisten Leute teure und schlechte Schuhe tragen. Wirklich gute Schuhe müssten nämlich den Füßen der Träger in Weite, Passform und Größe genau angepasst werden. Solche Schuhe, die offensichlich vom Schuhmacher unseres Vertrauens maßgeschneidert werden müssten, können sich aber die wenigsten Deutschen leisten. Deshalb kaufen wir durchschnittlich drei bis
fünf Paar Schuhe vom Fließband pro Jahr. Bei deren Herstellung wird naturgemäß viel Energie verbraucht und sie enthalten viele Chemikalien. Besonders gesund sind sie also nicht für unsere Füße. Dafür sind sie teuer. Die Näherinnen in den südlichen Herstellungsländern bekommen allerdings keinen nennenswerten Teil dessen, was wir im Laden dafür bezahlen. Meist werden sie nicht mal mit einem Prozent des Verkaufspreises entlohnt. Daraus zieht besagte Buchautorin den Schluss, dass das Schuhsystem so krank ist wie das ganze Wirtschaftssystem. Der Konsum steht im Vordergrund. Qualität und Gesundheit sind zweitrangig. Schuhe vom Fließband sind also ein Ausdruck der Konsumgesellschaft. Anscheinend haben wir noch nicht das richtige Schuhwerk gefunden, um einen Wechsel einzuleuten und neue Ufer zu erreichen. Wir müssen also weiter nach einem Weg aus der Konsumgesellschaft oder wenigstens in eine bessere Form davon, streben.