Was eine mechanische Uhr ist, wissen die meisten Menschen. Auch mit
Automatikuhren können sicherlich viele etwas anfangen, benutzen sie wahrscheinlich sogar selbst. Doch was versteht man unter einer atmosphärischen Uhr? Dieser Begriff ist viel weniger geläufig und bedarf einer Erläuterung. Grundsätzlich versteht man unter einer atmosphärischen Uhr eine Tisch-Uhr mit Drehpendel, deren Zugfeder durch die Wärmeausdehnung einer Flüssigkeit in der Uhr aufgezogen wird. Seit 1945 wird als Flüssigkeit meist das stark auf Temperaturschwankungen reagierende Äthylchlorid verwendet, das sich im Falle einer Temperaturänderung ausdehnt und seine Kräfte auf ein Dosengehäuse ausübt. Das Gehäuse wird dabei auseinander gezogen und drückt eine Feder zusammen, die als Gegengewicht fungiert. Durch diesen Vorgang wird eine Kette um eine winzige Trommel gewickelt. Eine zweite Feder ist für den Zug verantwortlich. Wenn die Temperatur wieder sinkt, wickelt sich die Kette von der Trommel ab, diese rastet ein und treibt dadurch die Welle der Antriebfeder an. Dadurch, dass diese Feder aufgezogen wird, wird die nötige Antriebsenergie gespeichert. Die Unruh der atmosphärischen Uhr ist genau genommen ein Torsionspendel und nur 240 Gramm schwer. Insgesamt braucht der Mechanismus dieser Art von Uhren 100 Mal weniger Energie als derjenige klassischer Armbanduhren. Die erste Uhr, die durch Druck- und Temperaturänderungen angetrieben wurde, wurde bereits im frühen 17. Jahrhundert von Cornelius Drebbel entwickelt. Jedoch erst 1880 erhielt Friedrich Ritter von Lössl ein Patent für eine autodynamische Uhr vom kaiserlichen Patentamt. Das erste französische Patent hingegen erhielt Jean-Léon Reutter 1928, der den Prototyp einer Tisch-Uhr entwickelt hatte, der seine Energie bereits aus den kleinsten atmosphärischen Änderungen schöpfte. Nach 1945 wurde die „Atmos“ überwiegend von der Schweizer Traditions-Manufaktur Jaeger-LeCoultre gefertigt. Das Unternehmen fertigt inzwischen eine moderne Form der klassischen atmosphärischen Uhr, die so sensibel auf kleinste Temperaturschwankungen reagiert, dass sie selbst in klimatisierten Räumen funktioniert. Bereits eine Temperaturänderung von nur einem Grad Celsius reicht aus, um die Uhr 48 Stunden in Betrieb zu halten. Aufgrund der hierfür notwendigen handwerkerlichen Meisterleistung ist die „Atmos“ das offizielle Staatsgeschenk der Schweiz.