Mit seinem Programm zum Bau von nubischen Tempeln brachte Ramses der Zweite zwei der gewaltigsten und interessantesten Felsentempel hervor, für die das historische Ägypten in der damaligen Welt hochgelobt wurde. Altes Handwerk schuf mit zumeist einfachen Hilfsmitteln aus Kupfer und Stein die weltbekannten Tempel von Abu Simbel, die wahrscheinlich zwischen 1260 und 1255 vor Christus geweiht wurden. Der größere der beiden Tempel wurde neben unterschiedlichsten Göttern des Nordens und Südens Pharao Ramses dem Zweiten gewidmet, sein kleiner Bruder diente Hathor von Ibschek und der Königin Nefertari. J. L. Burckhardt war der erste Europäer, der im März im Jahre 1813 die Felsentempel besuchte, welche dann, vier Jahre später durch Belzoni ausgegraben wurden. Ein Tempel wurde 21 Meter, der andere sogar 60 Meter tief in den Sandstein getrieben und mit allen möglichen Innenräumen versehen, angefangen vom festlichen Erscheinungssaal über Lagern bis hin zu zahlreichen Nebenräumen. Die
Dekoration der Wand ist vor allem im großen Tempel von Abu Simbel in farbiger Bemalung vollständig erhalten. Zwischen 1964 und 1968 mussten die beiden Tempel mit gewaltigem technischem Aufwand von ihrem ursprünglichen Standort auf ein Plateau versetzt werden, um die Überflutung durch den Nasser-See zu vermeiden. Viele internationale Baufirmen aus Ägypten und vor allem westeuropäischen Ländern führten diese Auftragsarbeiten durch. Sie wurden durch Spendengelder aus der ganzen Welt finanziert. Die beeindruckende Macht der lebenden Bilder, in der vergangenen Zeit fest im Glauben verwurzelt, begeistern auch heute noch die vielen tausenden Touristen, die Jahr für Jahr im Flugzeug oder mit Bus und Bahn herbei strömen. So wurde zwar durch die Rettungsaktion die ursprüngliche Magie der Tempel zerstört, doch als eine der Hauptattraktionen im modernen Ägypten genießen die Tempel von Abu Simbel immer noch großen Weltruhm.